Nivea als Talisman
Published: Apr 3rd, 2008
Source: W&V
Author: Kerstin Richter
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Fork Unstable Media arbeitet seit zwölf Jahren still vor sich hin. Jetzt trumpft die Agentur mit vier Renommiermarken auf.
Press Article
Nur wenige Agenturchefs können behaupten, dass sie noch nie aktiv Etats akquirieren mussten. Manuel Funk, Geschäftsführender Gesellschafter der Multimedia-Agentur Fork Unstable Media, gehört dazu: „Wir glauben daran, dass die Qualität unserer Arbeit genügend Anfragen generiert.“
Nun ja, das wünschen sich andere Agenturen auch, und trotzdem ruft kein Kunde an. Also woran liegt es? Möglicherweise am Gründungskunden, der Beiersdorf-Marke Nivea, die Fork Unstable seit ihrem Start 1996 im Hamburger Schanzenviertel online betreuen. Die Multimedia-Experten steuern die internationale Website-Strategie in 48 Ländern und verantworten die technische und gestalterische Umsetzung – ein Vorzeigeprojekt also.
Das war auch die Eintrittskarte für den Pitch um die komplette Range der Reinigungsprodukte von Vileda. Freudenberg Haushaltsprodukte aus Weinheim hatte im Vorfeld europäische Agenturen präsentieren lassen – jetzt entwickelt Fork Unstable Media ein übergreifendes Konzept für eine internationale Marken-Website. Noch im Frühjahr wird das Ergebnis zu sehen sein.
Bayer Vital hingegen gefiel wohl Forks Expertise in Markenführung, glaubt Funk. Denn ebenfalls nach einem Pitch (gegen zwei Konkurrenten) dürfen sich die Hamburger nun dem Internet-Auftritt des Klassikers Aspirin annehmen.
Es war der Anspruch, das Internet als Markenführungs-Tool zu nutzen und das Markenerlebnis im Netz erfahrbar zu machen, was Funk und seinen Kreativpartner David Linderman in die Selbstständigkeit trieb. Beide hatten davor in den Interactive-Abteilungen klassischer Agenturen gearbeitet, Lindermann, 37, zuletzt beim damaligen Springer & Jacoby-Ableger Elephant Seven, und Funk, 39, bei Scholz & Friends. „Es war ein Nischendasein“, erinnert sich Funk.
Um Markenführung geht es auch beim dritten Neukunden, den sich Fork Unstable jüngst angeln konnte: Ritter Sport. Der Schokoladenhersteller aus Waldenbuch präsentiert sich neuerdings im Netz spielerisch und innovativ, inklusive einem umfassenden Schoko-Lexikon. Zwei Wochen dauerte es, bis die quadratischen Tafeln von allen möglichen Positionen fotografiert waren, um sie schließlich im Web mit Bewegbild-Effekt zu präsentieren.
Noch vor ein paar Jahren waren nur wenige Firmen bereit, für derartige Animationen oder Videos ein entsprechendes Budget bereitzustellen. Die 55-köpfige Fork Unstable hat nach eigenem Bekunden darunter gelitten. Ihr hoher Qualitätsanspruch habe der Realität entgegengestanden. Das zeigte sich in den Bilanzen: Als andere schon wieder mit zweistelligen Wachstumsraten glänzten, blieb Fork unter Markt. 2007 war dann ein Ausnahmejahr. Der Umsatz stieg um fast 50 Prozent auf 4,5 Millionen Euro (u.a. dank des Relaunches der Nivea-Site). Das gilt es zu konsolidieren.
„Die Gesamtsituation im Markt ist besser geworden, und die Bedeutung des Internets als Kommunikationskanal gestiegen“, sagt Funk. Das gilt nicht zuletzt für die Versandhändler. So hat sich Otto nach Strategiegesprächen für Fork Unstable entschieden. Der komplett überarbeitete Webshop kommt jetzt moderner und übersichtlicher daher.
Auch wenn sich Otto zum Agenturwechsel nicht äußert (zuletzt u.a. Sinner Schrader), so war es möglicherweise die Art der Kundenbetreuung, die den Konzern überzeugte: Ein achtköpfiges Team widmete sich zwei Monate lang ausschließlich diesem Großprojekt.